FOTOGRAFIE // KONZEPTFOTOGRAFIE

 

Meine Arbeiten beschäftigen sich mit Phantomen des Bewusstseins und mit ihrer Brechung durch Ironie und Spiel. Es geht mir um das Aufdecken des Unsichtbaren im scheinbar Vertrauten und das entstehende Moment des Absurden, Grotesken oder Paradoxen. Ein anderer Aspekt meiner Arbeiten ist die fortlaufende Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte, kulturellen Ritualen und mit mystischem Bewusstsein, deren Geltungsanspruch gleichzeitig übersteigert und unterlaufen wird.

 

Die Fotografie ist ein Medium, das Möglichkeiten des visuellen Ausdrucks schafft, die zwischen Malerei und Film liegen. Eine Abgrenzung der Fotografie von den übrigen künstlerischen Praktiken halte ich für irrelevant. Der Einsatz der Fotografie (wie auch jedes anderen Mediums) ist nur dann begründet, wenn die intendierte Aussage mit anderen Mitteln unmöglich ist. Eine künstlerische Gestalt ist selbstgenügend. Es bedarf keiner zusätzlichen Mitteilung, wenn diese in die ursprüngliche Idee des Werks nicht eingeschlossen ist. In der Art, wie ich Fotografie verstehe, beinhaltet eine fotografische Arbeit eine für sich autonome Aussage, die als Zeichen oder als Metapher wirkt.

 

Das Fotografische beinhaltet auch die Beziehung zum Gemälde. Es geht um die Auseinandersetzung mit der flachen Darstellung, mit der Komposition (Dynamik, Raum, Farbe) und der Ikonographie. Aufgrund ihres dokumentarischen Charakters, der sie von der Ungebundenheit der Malerei unterscheidet, wird bei der Fotografie gleichzeitig die Wiedergabe der Realität zu einer zentralen Fragestellung. Diese Beziehung wird allerdings verändert durch die Möglichkeiten der digitalen Manipulation, die die dem maschinellen Medium der Fotografie inhärente Orientierung an der objektiven Wiedergabe untergräbt. Das ist eine offene ethische Frage der Medientheorie.


In Bezug zu ihrer Nachbarschaft zum Medium Film interessiert mich in der inszenierten Fotografie einerseits die beschränkte Narration, aber auch ihre mögliche Aufhebung durch Übertragung auf eine abgelöste, abstrakt-zeichenhafte Ebene (z.b. Labile Konstrukte v. Fischli Weiss). In beiden Fällen muss eine Spannung, eine Dramaturgie entstehen. Die Dramaturgie, die Roland Barthes als punctum bezeichnet, verstehe ich als das "Performative" oder als den dramatischen Konflikt, den Aristoteles in seiner „Poetik“ über die Prinzipien des antiken Theaters erklärt. Im flachen Werk, welches keine Zeit-Dimension besitzt, kann er im Widerspruch der Art der Darstellung und seines Objektes liegen.

 

 

  JK

 

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